Inklusion im Bildungsbereich

Die UN-Konvention:

Artikel 24 der UN-Konvention über die Rechte der behinderten Menschen befaßt sich mit dem Bildungsbereich. Dort steht:

Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskrimminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen.

Die Konvention fordert also die Vertragspartner unmissverständlich für Inklusion zu sorgen: Alle Kinder lernen - vom Kindergarten an - in heterogenen Lerngruppen, der Vielfalt der Begabungen entsprechend. Jedes Kind wird individuell gefördert. Die nötige Unterstützung wird zum Kind gebracht. Ein systemischer Ansatz von Förderung steht im Vordergrund: Die Schule muss sich auf die Situation der Kinder einstellen und die individuellen Erfordernisse berücksichtigen und nicht umgekehrt.

Das aktuelle Schulgesetz in NRW:

Ein erster Schritt zur Umsetzung der UN-Konvention ist das 9. Schulrechtsänderungsgesetz des Landes NRW, dass am 01.08.2014 in Kraft getreten ist. Kernpunkte sind:

  • Die Schule fördert die vorurteilsfreie Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung. In der Schule werden sie in der Regel gemeinsam unterrichtet und erzogen (inklusive Bildung). (§ 2 Abs. 5)

  • Sonderpädagogische Förderung findet in der Regel in der allgemeinen Schule statt. Die Eltern können abweichend hiervon die Förderschule wählen. (§ 20 Abs. 2)

  • Schulen und Schulstandorte sind so zu planen, dass schulische Angebote als Orte des Gemeinsamen Lernens (§ 20 Absatz 2) wahrgenommen werden können. Die Schulträger sind verpflichtet, auf ein regional ausgewogenes, vielfältiges,inklusives und umfassendes Angebot zu achten. (§ 80 Abs. 2)

  • Die Schulentwicklungsplanung berücksichtigt die Orte des Gemeinsamen Lernens (§80, Abs. 5)

Ein Rechtsanspruch auf Gemeinsamen Unterricht wurde zunächst nur zukünftigen Erst- und Fünftklässlern eingeräumt. Für diese Kinder ist die Zwangszuweisung zur Förderschule vorbei, Eltern können aber den Unterricht an einer Förderschule wählen.

Eine freie Schulwahl gibt es jedoch nicht, sondern - abhängig vom Förderschwerpunkt - eine Zuweisung einer allgemeinen Schule oder Schulform.  Das Kriterium der Wohnortnähe wird häufig nicht eingehalten. An der zugewiesenen Schule finden Eltern häufig nicht die angemessene Vorkehrungen vor, so bleibt oft trotzdem nur der Weg zur Förderschule.

Der Wegfall der rechtlichen Barriere kann nur der Anfang einer inklusiven Entwicklung sein. Verbindliche Qualitätskriterien für gemeinsames Lernen müssen entwickelt werden, Schulen im inklusiven Entwicklungsprozess fachlich begleitet und angemessen - auch mit Personal ausgestattet werden. Die Klassengröße ist zu reduzieren. Es werden zwar viele Anstrengungen unternommen, jedoch sind die Ressourcen oft nicht ausreichend um gemeinsames Lernen zu gewährleisten.  

Fast alle Grundschulen in Ratingen nehmen Kinder mit Lerneinschränkungen und körperlichen Beeinträchtigungen auf. Schwerpunktschulen sind die Astrid-Lindgren-Schule in Ratingen-West und die Eduard-Dietrich-Schule in Ratingen-Lintorf.

Bei den weiterführenden Schulen in Ratingen gibt es keine Schule, die Kinder aller Beeinträchtigungsarten aufnimmt. So bestimmen in der Praxis die jeweiligen Förderschwerpunkte eines Kindes den Schulort, das Kriterium der Wohnortnähe wird nicht ausreichend berücksichtigt. In der Regel wird das Kind vom Schulamt einer allgemeinen Schule zugewiesen. Eine Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Schulen, wie sie für Kinder ohne Beeinträchtigungen möglich ist, besteht nicht! In der Praxis zeigt sich nur eine Wahlmöglichkeit zwischen der zugewiesenen Schule und der Förderschule.

Eine inklusive Schulentwicklungsplanung könnte dies beheben, tut es jedoch nicht. Im aktuellen Schulentwicklungsplan finden die Erfordernisse der Inklusion bislang keine ausreichende Berücksichtigung.